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Alpenüberquerung mit dem Heißluftballon
Wir hatten uns in diesem Jahr zur Paulaner Wintermontgolfiade angemeldet, um im
schönen, tiefverschneiten Allgäu Fahrten mit dem Heißluftballon zu unternehmen.
Leider war Petrus die ersten drei Tage nicht damit einverstanden, dass wir uns in dieLüfte erheben. Denn das Wetter war alles andere als Ballontauglich.
Den ersten Lichtblick bezüglich einer Alpenüberquerung prophezeite uns der
zuständige Meteorologe vom deutschen Wetterdienst für Mittwoch. Leider war auch an
diesem Tag der Himmel noch wolkenverhangen und es schneite kräftig.
Am nächsten Morgen war Petrus damit einverstanden, dass wir die Alpen mit dem
Heißluftballon bezwingen. Unser Wettermann sagte uns Wind aus Nord mit ca. 80
Knoten in der Höhe (ca. 150 km/h Geschwindigkeit) und wolkenfreie Sicht bis nach
Italien vorher. Lediglich die Poebene sollte bewölkt sein.
Das war für meinen Bruder Uwe (Copilot) und mich das Zeichen uns unseren Traum zu
erfüllen. Man muss bedenken, dass eine Alpenüberquerung nur an wenigen Tagen im
Jahr möglich ist. Es muss einfach alles passen, von der Windrichtung bis zur
Geschwindigkeit. Dennoch ist immer ein gewisses Risiko dabei.
Am Donnerstagmorgen um 10.00 Uhr standen wir mit unserem Team am Startplatz in
Sonthofen-Blaichach und fingen an, den Ballon aufzurüsten. Neun volle Gasflaschen mit
insgesamt 360 Liter Propangas sollten nach unseren Berechnungen ausreichen für eine
erfolgreiche Alpenüberquerung. Dazu kam noch einiges an Notausrüstung wie
Schlafsäcke, ein Notzelt und Verpflegung.
Die Nervosität stieg ins Unermessliche, denn dies war das bisher größte Vorhaben
meiner Pilotenlaufbahn.
Um 12.45 Uhr war es dann endlich soweit. Ich bekam die Starterlaubnis und stieg dann
sofort mit 4 Metern in der Sekunde auf zunächst 3500 m, denn wir mussten ein in
Österreich aktives Luftsperrgebiet umfahren, was uns auch gelang. Nun konnten wir
höher steigen, um den noch schnelleren Wind zu bekommen. In 5600 Meter hatte ich
einen Kurs von 178 Grad mit 120 km/h in Richtung Süden. Der Ausblick auf die
schneeverhangenen Alpen war grandios. Wir hatten eine tolle Fernsicht, alles war klar
und keine Wolke weit und breit zu sehen. Auch die Kälte war erträglich. Wir hatten
minus 13 Grad und die Sonnenstahlen begleiteten uns. Ein aufregender Moment war
sicherlich, als das linke Fahrventil von unserem Brenner vereiste und sich nicht mehr
schließen ließ.Wir mussten unsere Sauerstoffmasken aufsetzen, denn die Luft ist doch sehr dünn in dieser Höhe.
Wir überfuhren den Reschenpass sowie das Inntal. Nach ca. 2,5 Stunden sahen wir in
die Poebene, die leider sehr wolkenverhangen war und uns die Sicht Richtung Adria
versperrte. Einzig ragten einzelne Bergspitzen aus dem Wolkenmeer heraus. Über dem
Gardasee riss endlich die Wolkendecke auf und wir konnten den kleinen Tümpel (Gardasee
aus 5600 Metern gesehen) hinter uns lassen. Kurz danach bergann ich mit dem Abstieg.
Die Wolken lockerten immer mehr auf, sodass wir gefahrlos mit 3 -4 meter in der
Sekunde der Erde näher kamen. Wir mussten uns während des Absteigens erst einmal genau orientieren wo wir nun ganau sind.
Über Mantova drehte der Wind wieder, und wir fuhren in etwa 3000 Meter Höhe
zurück Richtung Gardasee. Es ging mit geringer Geschwindigkeit über Bauernhöfe und
kleinere Ortschaften. Ständig wurden wir von der Bevölkerung durch Rufen und
Zuwinken in Italien begrüßt.
Um 15.30 Uhr begann ich mit der Endlandung am Ortsrand von Castiglione auf einem
brachliegenden Acker.
Nach dem zusammenpacken unserer Ausrüstung mussten wir noch bis 19.00 Uhr
warten, bis unsere Mannschaft uns abholte. Diese mussten eine Strecke von 450 km
(einfach) mit Auto und Anhänger zurücklegen.
Nachts um 2.30 Uhr kamen wir todmüde wieder in Sonthofen an.
Mit meinem Ballon hatten wir eine Strecke von 270 km Luftlinie in 3.45 Stunden
zurückgelegt. Dies war unsere weiteste und schönste Ballonfahrt.
Vielen Dank auch an meinen Copiloten und Bruder Uwe Hilzendegen und dem
Verfolgerteam (Erdferkel) Irmgard Hilzendegen, Thomas Laux und Katrin
Hilzendegen, die die Strapazen auf sich nahmen und uns den weiten Weg mit dem
Fahrzeug und Anhänger hinterherfuhren.